Über die Bedeutung der Dokumente, die im Zentrum der #everynamecounts Challenge 2026 stehen
Wer waren die Menschen, die von den deutschen Besatzern in eine Kaserne zwischen Brüssel und Antwerpen verschleppt und letztlich nach Auschwitz deportiert wurden? Was hatten sie gemeinsam mit den Familien, die in einem 300 Kilometer entfernten französischen Wohnkomplex nördlich von Paris um ihre Zukunft bangten? Informationen bietet eine Kartei, die beim Archivdienst für Kriegsopfer im Belgischen Staatsarchiv in Brüssel aufbewahrt wird. Sie steht im Zentrum der #everynamecounts-Challenge 2026 und dokumentiert unter anderem, wie NS-Verfolgte aus verschiedenen europäischen Ländern versuchten, sich in Sicherheit zu bringen.
Freundlich lächelt die junge Mutter in die Kamera, auf ihrem Schoß hält sie einen kleinen Jungen. Das Foto auf der Karteikarte aus Brüssel zeigt Stephanie Wolfthal mit ihrem Sohn Louis. Bei seiner Geburt im Jahr 1936 lebt Stephanie mit ihrem Mann Heinrich in Wien. Sie ist Katholikin, er wird in den Unterlagen der nationalsozialistischen Behörden als Jude geführt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 wird Heinrichs Vater ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Die junge Familie entscheidet sich zur Flucht und verlässt Wien in Richtung Luxemburg. Doch auch dort finden sie keinen dauerhaften Schutz. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen werden sie des Landes verwiesen und zur Ausreise gezwungen. Ihre Flucht geht weiter nach Schaerbeek, im Norden von Brüssel. Doch die Familie steht bereits im Visier der Nationalsozialisten: Um die Deportation und Ermordung von Menschen, die nach den Nürnberger Gesetzen als jüdisch galten, zu überwachen und zu dokumentieren, legte der Sicherheitsdienst der deutschen Sicherheitspolizei Karteikarten an. Auf ihnen wurden Personen mit Wohnsitz in Belgien erfasst. So entsteht auch die Karteikarte mit dem Foto von Stephanie und ihrem Sohn. Mit viel Glück gelingt es der Familie jedoch, in Brüssel unterzutauchen. Sie überleben und emigrieren 1950 nach Argentinien. Der Sohn Louis kehrt später zurück nach Brüssel.

